Warum fuchteln die Franzosen mit ihren Armen?

Warum fuchteln die Franzosen mit ihren Armen?

Der Wissenschaftler Gregory Bateson (1904 – 1980) verfasste neben seinen zahlreichen Fachartikeln auch fiktive Gespräche zwischen einem Vater und einer Tochter. Sie sind die Ausgangsbasis für unser Stück, in dem wir Wissen mit Kunst verbinden. Bateson nannte die von ihm verfassten Gespräche ‚Metaloge‘ – ein Wort, das Bateson selbst erfand. Ein Metalog ist ein Gespräch, in dem das Thema des Gesprächs das Gespräch selbst ist. Das klingt schwieriger, als es ist. Wenn man sich zum Beispiel über das Wort ‚durcheinander‘ unterhält und dabei in ein Durcheinander gerät, dann ist dieses Gespräch ein Metalog. Die Sprache, der sich Bateson dabei bedient, ist über weite Strecken klar und einfach und die Fragen der Tochter entzünden sich an Alltäglichem. Kinder machen täglich die Erfahrung, dass es verschiedene Ordnungen gibt, die eingehalten werden müssen. Sie übernehmen Ordnungssysteme bzw. Prinzipien zur Anordnung von Dingen und übertragen diese auf ihr eigenes Zimmer oder auf ihren Schreibtisch. Und obwohl die Sprache von Vater und Tochter einfach ist, werden dabei komplexe Zusammenhänge entwickelt und diskutiert.

Wir sind der Meinung, dass Theater mehr sein kann, als das Erzählen von Geschichten. Es kann helfen, Zusammenhänge zu begreifen und uns Erkenntnis verschaffen. Gerade im Theater können wir uns die Faszination für Dinge nutzbar machen, die wir nicht verstehen, die uns gerade deshalb oder trotzdem in Erinnerung bleiben und in uns weiterarbeiten, kurz: die nachwirken. Vieles von dem, an das man sich in seinem Leben besonders erinnert, sind die Dinge, die man nicht sofort verstanden hatte, die mit Schwierigkeiten verbunden waren. Die sich zuerst im Kopf quer stellten. Doch unvergesslich sind dann die Glücksmomente, die sich einstellten, wenn wir die Hindernisse überwinden und wir etwas verstehen, was erst unbegreiflich schien. Diesem Glück sind wir auf der Spur.

Über Gregory Bateson

Gregory Bateson wurde am 9. Mai 1904 in Grantchester, England, als dritter Sohn des Genetikers William Bateson geboren. 1922 begann Gregory Bateson an der Universität von Cambridge zunächst Zoologie, ab 1925 Anthropologie zu studieren, bereiste im Rahmen des Studiums Neu-Guinea und schloss es mit einer Dissertation über einen neu-guineischen Stamm namens Iatmul ab, die 1932 in der Zeitschrift Oceania abgedruckt wurde. In seiner Zeit auf Neu-Guinea machte Bateson erstmals Bekanntschaft mit der Anthropologin Margaret Mead, die er drei Jahre später heiratete. Ihre Forschungen im Jahre 1936 auf Bali mit Fokus auf der balinesischen Charakterbildung mündeten in einem für die damalige Zeit in seinem Medium wegweisenden Bericht. Meads Untersuchungen stützten sich primär auf filmische und photographische Dokumentation.

1938 kam Batesons und Meads gemeinsame Tochter Mary Catherine Bateson zur Welt. Sie wurde später Ethnologin und schrieb ihre Erinnerungen an die Eltern in dem Buch „Mit den Augen einer Tochter“ nieder. Ein Jahr später übersiedelte die Familie in die USA; Bateson arbeitete fortan als Sozialwissenschaftler, ab 1942, während des Zweiten Weltkriegs, für das Office of Strategic Services in Indien, China, Birma und Ceylon. Nach dem Krieg war Bateson Gastprofessor an der New School for Social Research in New York, an der Harvard University, der University of California Medical School in San Francisco und am Veterans Administrations Hospital, wo er ethnographische Interviews mit Psychiatern führte. 1951 heiratete er ein zweites Mal. Diese zweite Ehe hielt acht Jahre, danach folgte eine dritte Heirat.

Zwischen 1946 und 1953 war Bateson eine der Leitfiguren der Macy-Konferenzen, auf denen Wissenschaftler verschiedener Disziplinen die Grundlagen der Systemtheorie und Kybernetik legten. Batesons wissenschaftlicher Werdegang konzentrierte sich von 1951 bis 1962 an der Stanford University in der Nähe von Palo Alto, an der er eine Gastprofessur annahm. In dieser Zeit befassten sich seine Studien und Bücher zunehmend mit Kommunikationstheorie und Psychologie. Er entwickelte seine bekannte Doppelbindungstheorie. 1965 wurde Bateson von der Oceanic Foundation auf Hawaii eingeladen, bei Forschungen bezüglich tierischer und menschlicher Kommunikation mitzuarbeiten, Forschungen, die etwa Kreativität bei Delphinen nachweisen sollten. Er blieb sieben Jahre als außerordentlicher Forschungsleiter auf Hawaii, während denen er den Großteil der Texte schrieb, die später in der Artikelsammlung Ökologie des Geistes erschienen. 1973 nahm Bateson eine Gastprofessur am Kresge College an, drei Jahre später wurde er Mitglied des Verwaltungsrats der University of California. 1978, sechs Jahre nachdem er von Hawaii nach Kalifornien übersiedelt war, schrieb Bateson sein letztes Buch, Geist und Natur; zwei Jahre später starb er im alternativen Esalen Institute in San Francisco.

Bateson spielte in der Entwicklung der Kybernetik eine entscheidende Rolle. Er führte erstmals systemtheoretische und kybernetische Denkansätze in die Sozial- und Humanwissenschaften ein und gilt heute als geistiger Vater der systemischen Therapie. So gehörten auch die Gründer der Palo-Alto-Gruppe zu seinen Schülern, darunter der Therapeut und Schriftsteller Paul Watzlawick. In diesem Zusammenhang ist Bateson auch wegen der Entwicklung der psychologischen Doppelbindungstheorie bekannt. Seine Vermutung, dass Doppelbindungen maßgeblich verantwortlich sind für die Entstehung von Schizophrenien, hielt empirischen Studien jedoch nicht Stand.

Batesons systemtheoretische Schriften beeinflussten die soziologische Theorie von Niklas Luhmann und letztendlich die Personale Systemtheorie von Eckard König/Gerda Volmer, die sich mit ihrer Theorie in der Tradition von Bateson sehen. Außerdem entwickelte ein bei ihm zeitweise tätiger Assistent (John Grinder) und ein zeitweiliger Student und Nachbar Batesons (Richard Bandler) die Neurolinguistische Programmierung. Obwohl er viele noch heute gültige biologische Prinzipien formulierte und systemisch begründete, hat er in der Biologie am wenigsten Spuren hinterlassen, wohl aber in der Ästhetik, wo jüngere Publikationen seine Ideen aufgreifen. Gesellschaftlich hatte Bateson eine gewisse Wirkung auf die New Age-Bewegung, stand ihr jedoch kritisch gegenüber.
Quelle: Wikipedia

Team

Mit Peter Malzer und Elisabeth Nelhiebel

Regie Markus Steinwender
Kostüme Anne Buffetrille
Bühne Leonie Reese
Lichtdesign Erich Posch
Technik Marvin Gschnitzer // Erich Posch
Spieldauer ca. 60min, keine Pause
Empfohlen ab 10 Jahren
Dank an szene salzburg, ohnetitel, die theaterachse

Produktion MAZAB mit Unterstützung von Stadt Salzburg Kultur, bm:ukk, Land Salzburg Kultur und ERSTE-Salzburger Sparkasse-Kulturfonds

Pressestimmen

„Regisseur Markus Steinwender ist es gelungen, diese Gedankenspiele in einer äußerst vergnüglichen Performance auf die Bühne zu bringen und das Abstrakte in einprägsame Bilder umzusetzen. Mit hinreißendem Temperament begibt sich Elisabeth Nelhiebel auf Spurensuche ins Gestrüpp der Beziehungen und Zusammenhänge und lässt sich von Peter Malzer, der mit grauer Perücke in die Rolle des großen Philosophen schlüpft, auf die verrücktesten Experimente ein.“
dz, 17.4.2014

„Mit Witz und philosophischer Tiefsinnigkeit inspirierten Elisabeth Nelhiebel und Peter Malzer das Publikum, sich auf die schwere Kost einzulassen.“
DrehPunktKultur, 22.4.2014

Termine kleines theater (2014)

Sichtvorstellung für PädagogInnen
Mittwoch, 09.04., 18:00 Uhr, RESERVIEREN

Premiere
Donnerstag, 10.04., 19:00 Uhr

Weitere Vorstellungen
Freitag, 11.04., 10:00 Uhr
Samstag, 12.04., 19:00 Uhr
Freitag, 02.05., 19:00 Uhr
Mittwoch, 14.05., 19:00 Uhr
Donnerstag, 15.05., 10:00 Uhr
Freitag, 23.05., 19:00 Uhr
Donnerstag, 05.06., 19:00 Uhr

Spielort
kleines theater, Salzburg

Fotos

Mit freundlicher Unterstützung von
Stadt Salzburg Kultur, bm:ukk, Land Salzburg Kultur
und dem ERSTE-Salzburger Sparkasse-Kulturfonds.